Funktions- & Knirschschienen

Wenn nachts die Zähne arbeiten: Eine maßgefertigte Schiene schützt die Zahnsubstanz und entlastet das Kiefergelenk.

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Transparente Knirschschiene über einem Kiefermodell in der Praxis Dr. Kinner

Worum es geht

Viele Menschen knirschen oder pressen nachts mit den Zähnen – meist ohne es zu merken. Auf Dauer kostet das Zahnsubstanz und belastet Kiefergelenk und Muskulatur. Eine individuell angepasste Schiene schützt die Zahnsubstanz vor weiterer mechanischer Belastung und kann Kiefergelenk und Kaumuskulatur entlasten.

Eine Funktionsschiene ist eine bewährte, nicht-invasive Therapieoption bei Zähneknirschen (Bruxismus), Kiefergelenksbeschwerden und muskulären Verspannungen. Für den langfristigen Erfolg ist die individuelle Anpassung und regelmäßige Kontrolle wichtig.

Funktionsweise – Schritt für Schritt

Ausgangssituation

Bei Zähneknirschen oder Kieferverspannung treffen die Zahnreihen meist mit zu hohem Druck zusammen. Muskulatur und Kiefergelenke werden überlastet.

Schemazeichnung: angespannte Kaumuskulatur und Zahnreihen, die mit hohem Druck aufeinandertreffen

Einsetzen der Schiene

Die individuell angefertigte Funktionsschiene wird auf die Zahnreihe aufgesetzt.

Schemazeichnung: transparente Funktionsschiene auf der unteren Zahnreihe

Wirkprinzip

Die Schiene schafft einen gleichmäßigen, stabilen Kontakt und entlastet so Zähne, Muskulatur und Kiefergelenke. Die Kaumuskulatur kann sich entspannen, Fehlbelastungen werden reduziert.

Schemazeichnung: entspannte Kaumuskulatur mit eingesetzter Schiene, Pfeile zeigen die gleichmäßige Kraftverteilung

Entlastung & Schutz

Die Zähne werden vor Abrieb geschützt, Schmerzen können nachlassen und die Kiefergelenke werden langfristig entlastet.

Schemazeichnung: entspanntes Kiefergelenk und geschützte Zahnreihen mit Schiene

Vorteile der Funktionsschiene

Schutz der Zähne

Schützt die Zahnsubstanz vor weiterer Abnutzung durch Knirschen und Pressen.

Entlastung der Muskulatur

Kann muskuläre Überlastung im Kieferbereich reduzieren und damit auch Verspannungen in Hals und Nacken lindern.

Entlastung der Kiefergelenke

Unterstützt eine gesunde Gelenkfunktion und kann Beschwerden lindern.

Schutz von Zahnersatz

Kann Kronen, Brücken und andere Versorgungen vor übermäßiger mechanischer Belastung schützen.

Individuell & komfortabel

Maßgefertigt, sicherer Sitz und angenehmes Tragegefühl.

Wie wir vorgehen

  • Knirschschienen (Aufbissschienen) zum Schutz vor nächtlichem Knirschen und Pressen
  • Funktionsschienen zur Entlastung von Kiefergelenk und Kaumuskulatur
  • Digitaler Intraoralscan statt klassischer Abformung – komfortabel und direkt digital weiterverarbeitbar
  • Digitale Simulation Ihrer Kieferbewegungen – die Schiene wird an Ihr individuelles Bewegungsmuster angepasst
  • Individuelle Einstellung des Bisses und regelmäßige Kontrolle des Schienensitzes

So läuft die Behandlung ab

  1. Beratung und Befund. Wir untersuchen Zähne, Kaumuskulatur und Kiefergelenk und klären, woher Abrieb oder Beschwerden kommen – und welche Schiene die richtige ist.
  2. Digitaler Scan. Ihre Zahnreihen werden mit dem Intraoralscanner erfasst – im Regelfall ganz ohne Abdrucklöffel.
  3. Digitale Bewegungssimulation. Am Computer simulieren wir Ihre individuellen Kieferbewegungen. So wird die Schiene an die Zahnform und an Ihr persönliches Bewegungsmuster angepasst.
  4. Zahntechnische Fertigung. Die Schiene wird individuell für Ihren Biss gefertigt – passgenau und aus langlebigem, gut verträglichem Kunststoff.
  5. Eingliederung. Wir passen die Schiene an und schleifen so lange ein, bis der Biss überall gleichmäßig aufliegt. Das entscheidet über Tragekomfort und Wirkung.
  6. Kontrolle. Bei den Folgeterminen prüfen wir Sitz und Wirkung – und am Abrieb der Schiene sehen wir, wie stark Sie tatsächlich knirschen.

Welche Schiene wofür? Die Typen im Überblick

„Schiene" ist ein Sammelbegriff – im Alltag heißt sie Knirschschiene, Knirscherschiene, Zahnschiene oder Aufbissschiene. Dahinter stecken Bauformen mit unterschiedlichen Aufgaben – und die Wahl richtet sich nach dem Befund, nicht nach dem Preis. Die vier Typen, die in der Praxis am häufigsten eine Rolle spielen:

Schienentyp Wofür sie gemacht ist Woran man sie erkennt
Knirschschiene (Aufbissschiene) Schutz der Zahnsubstanz vor Abrieb durch nächtliches Knirschen und Pressen. Harter Kunststoff, deckt eine komplette Zahnreihe ab. Der Klassiker, wenn es vor allem um Substanzerhalt geht.
Stabilisierungsschiene (Michigan-Schiene) Gleichmäßiger Kontakt aller Zähne und geführte Kieferbewegung – bei Knirschen mit Beschwerden in Muskulatur oder Gelenk. Meist für den Oberkiefer, mit sorgfältig eingeschliffener Kaufläche und Führungsflächen für den Eckzahn.
Relaxierungsschiene Entspannung einer verspannten Kaumuskulatur, oft als erster Schritt bei akuten Beschwerden. Ähnlicher Aufbau wie die Stabilisierungsschiene, häufig nur zeitlich befristet getragen.
Repositionsschiene Führt den Unterkiefer in eine veränderte Position – bei bestimmten Gelenkbefunden, etwa einer verlagerten Knorpelscheibe. Deutlich spürbare Führung. Gehört wegen der Wirkung auf den Biss zwingend unter regelmäßige Kontrolle.

Welche Bauform für Sie infrage kommt, ergibt sich aus der Untersuchung. Wir sagen Ihnen auch, wenn eine einfache Knirschschiene genügt – nicht jeder Befund braucht die aufwendigere Variante.

Zähneknirschen (Bruxismus) und wenn das Kiefergelenk Beschwerden macht (CMD)

Nicht jedes Knirschen bleibt bei abgeriebenen Zähnen. Wenn Kiefergelenk, Kaumuskulatur und Zusammenbiss nicht mehr zusammenspielen, sprechen Zahnmediziner von einer craniomandibulären Dysfunktion – kurz CMD. Typisch sind Kieferschmerzen, Knacken im Kiefergelenk und Verspannungen bis in Nacken und Schläfen. Die Beschwerden werden oft lange nicht mit den Zähnen in Verbindung gebracht, weil sie an ganz anderer Stelle auftauchen.

Typisch sind:

  • Knacken oder Reiben im Kiefergelenk beim Öffnen oder Kauen
  • Eingeschränkte Mundöffnung, manchmal ein Gefühl von Blockierung
  • Schmerzen vor dem Ohr, im Kiefer oder beim Kauen härterer Speisen
  • Morgendliche Verspannungen in Kiefer, Nacken und Schultern
  • Kopfschmerzen, die nach dem Aufwachen am stärksten sind
  • Ohrgeräusche oder Druckgefühl im Ohr ohne HNO-Befund

Am Anfang steht deshalb keine Schiene, sondern eine Untersuchung: Wir tasten Muskulatur und Gelenke ab, prüfen die Beweglichkeit des Unterkiefers und sehen uns an, wie die Zähne aufeinandertreffen. Erst daraus ergibt sich, ob eine Schiene hilft – und welche.

Ehrlich zur Wirkung: Beim Schutz der Zahnsubstanz ist der Nutzen einer Schiene unstrittig. Bei Schmerzen und Gelenkbeschwerden hilft sie vielen Patienten spürbar, die wissenschaftliche Datenlage ist hier aber weniger eindeutig – Übersichtsarbeiten zeigen eine Tendenz zur Besserung. Eine Schiene beseitigt außerdem nicht die Ursache des Knirschens. Wenn Stress, Schlaf oder Fehlbelastungen im Spiel sind, besprechen wir, was zusätzlich sinnvoll ist, und arbeiten bei Bedarf mit Physiotherapie zusammen.

Zur Einordnung der Wirksamkeit: Minakuchi H et al., Japanese Dental Science Review 2022 (doi.org/10.1016/j.jdsr.2022.02.004); Stapelmann H, Türp JC, BMC Oral Health 2008 (doi.org/10.1186/1472-6831-8-22). Studienergebnisse beschreiben Gruppen, keine Einzelfälle.

Für wen geeignet

Patienten mit sichtbarem Zahnabrieb, morgendlichen Verspannungen oder Kopfschmerzen, Kiefergelenkknacken – oder mit dem Hinweis des Partners, dass es nachts knirscht. Zu uns kommen damit Patientinnen und Patienten aus dem gesamten Münchner Norden, von Feldmoching und dem Hasenbergl bis Moosach und Am Hart. Wer die Schiene anpasst, lesen Sie auf der Team-Seite.

Häufige Fragen

Schienen – gut zu wissen.

Was ist der Unterschied zwischen Knirschschiene und Funktionsschiene?

Die Knirschschiene (Aufbissschiene) schützt Ihre Zähne vor dem Abrieb durch nächtliches Knirschen und Pressen. Die Funktionsschiene geht einen Schritt weiter: Sie bringt Kiefergelenk und Kaumuskulatur in eine entspannte Position und wird bei Beschwerden wie Kiefergelenkknacken, Verspannungen oder Kopfschmerzen eingesetzt.

Was ist CMD?

CMD steht für craniomandibuläre Dysfunktion: Kiefergelenk, Kaumuskulatur und Zusammenbiss spielen nicht mehr zusammen. Typische Anzeichen sind Knacken im Kiefergelenk, eingeschränkte Mundöffnung, Schmerzen vor dem Ohr oder beim Kauen, morgendliche Verspannungen in Kiefer und Nacken, Kopfschmerzen nach dem Aufwachen sowie Ohrgeräusche ohne HNO-Befund. Am Anfang steht eine Untersuchung von Muskulatur, Gelenken und Zusammenbiss – erst daraus ergibt sich, ob und welche Schiene hilft.

Welche Schienentypen gibt es?

Am häufigsten sind vier Bauformen: die Knirschschiene (Aufbissschiene) zum Schutz der Zahnsubstanz, die Stabilisierungsschiene (Michigan-Schiene) für gleichmäßigen Kontakt und geführte Kieferbewegung, die Relaxierungsschiene zur Entspannung verspannter Kaumuskulatur und die Repositionsschiene, die den Unterkiefer bei bestimmten Gelenkbefunden in eine veränderte Position führt. Welche Bauform passt, ergibt sich aus dem Befund – nicht jeder Fall braucht die aufwendigere Variante.

Was bringt die digitale Bewegungssimulation?

Jeder Mensch bewegt seinen Kiefer anders – beim Kauen, Pressen und Knirschen. Mit der digitalen Simulation bilden wir diese individuellen Bewegungen am Computer nach und gestalten die Schiene so, dass sie zur Zahnform ebenso passt wie zu Ihrem Bewegungsmuster. Das Ergebnis: Die Schiene liegt in jeder Kieferposition gleichmäßig auf, trägt sich angenehmer und entlastet gezielter.

Zahlt die Krankenkasse die Schiene?

In der Regel bezuschusst die gesetzliche Kasse eine funktionelle Schiene. Was die Kasse übernimmt und was gegebenenfalls privat anfällt, klären wir vor der Behandlung – Sie wissen vorher genau, was auf Sie zukommt.

Wie merke ich, dass ich mit den Zähnen knirsche?

Oft gar nicht selbst – es passiert im Schlaf. Typische Zeichen: abgeriebene oder empfindliche Zähne, morgendliche Verspannungen in Kiefer oder Nacken, Kopfschmerzen nach dem Aufwachen oder ein Knacken im Kiefergelenk. Beim Kontrolltermin sehen wir die Spuren an den Kauflächen.

Trägt man die Knirschschiene oben oder unten?

Beides ist möglich. Die klassische Michigan-Schiene wird meist im Oberkiefer getragen, in bestimmten Fällen ist der Unterkiefer die bessere Wahl. Wir entscheiden das nach Befund und Zusammenbiss – nicht nach Schema.

Wie schnell gewöhne ich mich an die Schiene?

Die meisten Patienten brauchen wenige Nächte, manche ein bis zwei Wochen. Anfangs fühlt sich die Schiene ungewohnt an, das legt sich. Drückt sie oder stört sie dauerhaft, justieren wir nach – das gehört zur Behandlung dazu.

Wie pflege ich meine Schiene?

Morgens mit einer weichen Zahnbürste und kaltem Wasser reinigen, ohne Zahnpasta – deren Putzkörper rauen den Kunststoff auf. Tagsüber trocken in der Dose aufbewahren. Zu den Kontrollterminen bringen Sie die Schiene einfach mit, wir prüfen Sitz und Zustand.

Wie lange hält eine Schiene?

Das hängt davon ab, wie stark geknirscht wird – die Schiene fängt genau die Kräfte ab, die sonst die Zähne treffen würden. Mehrere Jahre sind üblich. Ist sie durchgebissen oder passt sie nach Veränderungen im Gebiss nicht mehr, wird eine neue angefertigt.

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